Stress: Herausforderung statt Bedrohung

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Kaum ein Wort ist so negativ besetzt wie Stress. Doch im Grunde genommen ist Stress zunächst nichts anderes als die natürliche Reaktion unseres Körpers auf Herausforderungen.

Stress bewirkt, dass

  • unser Körper in Bereitschaft versetzt wird, schwierige Situationen zu meistern
  • dem Gehirn mehr Sauerstoff geliefert und somit für einen Energieschub gesorgt wird.

Eine amerikanische Studie [1] mit knapp 30.000 Teilnehmern lässt den Rückschluss zu, dass die Art, wie wir über Stress denken, maßgeblich darüber entscheidet, ob er gesund für uns ist oder nicht.

Nicht immer sind äußere Umstände die Ursache für die Anspannung, oft ist es auch eine Frage der inneren Einstellung.
(Stressreport der TK, 2013)

Herausforderung statt Bedrohung

Sind wir bereit, unsere Haltung zum Stress zu überdenken und uns nicht von einer Situation von vornherein ärgern, aufregen oder niederdrücken zu lassen, werden wir freier in unserem Handlungsspielraum.
Stressige oder auch unliebsame Situationen zuzulassen und sie im nächsten Schritt anzunehmen (was nicht heißt, sie zu akzeptieren!), bedeutet, sich bewusst gegen das Hadern mit der Realität zu entscheiden und stattdessen die Dinge konstruktiv zu bewerten.
Dabei ist manchmal auch ein Perspektivwechsel hilfreich, denn bei der Lösung der Anforderungen im Alltag und Beruf rufen wir nur allzu gern vorgefertigte, von unserer subjektiven Wahrnehmung geprägte Bilder aus unserem Gehirn ab.

Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster gilt es daher zu überwinden.


William Ely, amerik. Cartoonist.

So leicht lässt sich unsere Wahrnehmung täuschen:
Testen Sie sich selbst. Was sehen Sie? 
Ist Ihr Blick offen für Neues? Betrachten Sie das Bild aus verschiedenen Blickwinkeln. Sehen Sie eine alte oder eine junge Frau oder vielleicht sogar beide? Können Sie den Blick zwischen beiden hin- und herschwenken?


Welche Chance verbirgt sich hinter einer neuen Situation, welchen Sinn kann sie für unser Leben haben?

Sich Herausforderungen aktiv zu stellen, sich einzubringen, Lösungswege zu finden, bereit zu sein, dazu zu lernen und Begeisterung zu empfinden, bringen uns körperlich als auch psychisch zu Höchstleistungen und machen uns widerstandsfähiger. Gleichzeitig treiben sie unsere persönliche Weiterentwicklung voran.

Gemeisterte Stresssituationen machen uns stolz und geben uns das Gefühl von Sinnhaftigkeit und wachsender Stärke. Wir reagieren mutiger, Furcht wird gedämpft.

Die Überzeugung von der eigenen Kompetenz

Während zur Zeit des Neandertalers der Säbelzahntiger eine lebenserhaltende Stressreaktion auslöste, die dem Organismus spontan die beiden Optionen Kampf oder Flucht ermöglichte (fight or flight response), sind Stressauslöser heutzutage nur noch in den allerseltensten Fällen lebensbedrohlich. Unser Organismus kann auf die Probleme der Neuzeit moderater reagieren. Trotzdem ist ein Leben ohne Stress gar nicht möglich. Wer dauerhaft versucht, ihm auszuweichen, wem das Vertrauen in seine eigenen Kompetenzen fehlt, begibt sich in eine passive und ängstliche Rolle. Verdrängen oder Ignorieren machen das Problem nicht kleiner, sondern führen überdurchschnittlich häufig zu psychischen Beschwerden wie z.B. Depressionen oder Angstzuständen, sowie Rücken- und Kopfschmerzen, Tinnitus oder Magenbeschwerden.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Stattdessen sollten wir uns von der erhöhten Beanspruchung anspornen lassen und versuchen, an den Herausforderungen zu wachsen. Auch wenn es dazu immer einigen Mutes bedarf, um die Angst vor einem Misserfolg zu überwinden, stärkt jede gemachte Erfahrung das Vertrauen in die eigene Kompetenz.

Wann macht Stress krank?

Belastend wird Stress allerdings, wenn er zum Dauerzustand wird und an den Nerven zehrt und die ständige Ausschüttung der Hormone Cortisol (dem körpereigenen Cortison) und Adrenalin das Immunsystem schwächt. Wer dauerhaft die ausgesendeten Signale seines Körpers nach notwendiger Regeneration ignoriert oder unterdrückt, läuft Gefahr, Stresserkrankungen wie Bluthochdruck, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, häufige Erkältungen oder dauerhafte Muskelverspannungen zu entwickeln.

Was hilft für einen besseren Umgang mit Stress
 Für einen besseren Umgang mit Stress und um mehr Flexibilität bei alltäglichen Belastungen zu erreichen, hilft es, sich seiner stressverschärfenden Einstellungen und Denkmuster bewusst zu werden und diese kritisch zu hinterfragen. Beispiele dafür sind:
  • die perfektionistischen Leistungsansprüche kritisch zu überprüfen
  • die eigenen Leistungsgrenzen zu akzeptieren lernen
  • Schwierigkeiten nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung zu sehen
  • sich mit alltäglichen Aufgaben weniger persönlich zu identifizieren
  • mehr innere Distanz zu wahren
  • sich nicht im alltäglichen Kleinkrieg zu verlieren
  • den Blick für das, was wirklich wichtig ist, zu bewahren
  • sich an positiven und gelungenen Dingen zu erfreuen und Dankbarkeit zu empfinden
  • weniger feste Vorstellungen und Erwartungen zu haben
  • die Realität zu akzeptieren.

Beginnen Sie damit, sich im stressvermindernden Denken zu trainieren.

Für den Erhalt und zum Schutz der Leistungsfähigkeit sollten Sie ausreichend Ruhe- und Auszeiten einplanen. Sorgen Sie für eine ressourcenschonende Balance indem Sie:

  • Pausen zur Regeneration nutzen
  • Präventionskurse besuchen z.B. für Entspannungsmethoden,
    Stressmanagement oder Achtsamkeit und das Erlernte in den Alltag integrieren
  • Freizeit/Urlaub als Ausgleich zum Job planen (was brauche ich, was nicht?
    Bewegung, Entspannung, Menschen, Kultur, Ruhe, Insel?)
  • Bewusst mal etwas anders machen (Handlungsspielraum erweitern)
  • Körperliche Aktivitäten aufrechterhalten.

Ein weiterer, unverzichtbarer Aspekt ist, „Nein“ sagen zu können, um nicht dauerhaft die eigenen Belastungsgrenzen zu überschreiten.

Da stressige Zeiten einen erhöhten Vitalstoffbedarf erfordern, sollten Sie darüber hinaus darauf achten, trotz des gefühlten Zeitmangels, für Ihre Gesunderhaltung zu sorgen, indem Sie Ihren Körper durch eine gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf zu mehr Energie verhelfen.


Zum Abschluss noch ein Selbsttest:

Streichen Sie gedanklich die stressreichen Tage aus Ihrer Vergangenheit. Was bleibt danach übrig? Ein Sinn-erfülltes Leben?
Vielleicht stellen Sie jetzt fest, dass sich etwas Entscheidendes geändert hat:
Alle Erfahrungen, an denen wir gewachsen sind, Leistungen, die uns mit Stolz erfüllen, sowie Beziehungen, die Teil all dessen sind, was uns ausmacht, fehlen nun.

Macht Stress am Ende vielleicht sogar glücklicher?


 

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns im Anschluss von Ihren Erfahrungen im Umgang mit Stress berichten würden. Welche Tipps können Sie unseren Lesern geben, damit sie die stressige Vorweihnachtszeit gut überstehen?


[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3374921/

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Autor: Carina Mallwitz

Redaktion Rückhalt I Der Blog vom Rückenzentrum

2 Gedanken zu „Stress: Herausforderung statt Bedrohung“

  1. Sehr geehrte Frau Mallwitz,

    der obige Artikel ist der erste Artikel, der das Thema Stress aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet, wie viel Artikel, die ich den letzten Tagen dazu gelesen habe. Eine schöne Abwechslung für den Leser! Denn immer mit den gleichen Fakten, Informationen und Meinungen konfrontiert zu werden, kann auf lange Sicht sehr ermüdend sein. Umso glücklicher bin ich, hier gelandet zu sein. Es ist ein toller Ansatz: Stress als Herausforderung ansehen!

    Darüber hinaus bin ich auch sehr davon begeistert, dass dieser Artikel aber auch erkennt, dass zu viel Stress oder dauerhafte Stresssituationen schädlich für Körper und Geist sein können. Hier wurde meiner Meinung nach der perfekte Weg gefunden, um das vielschichtige Problem von Stress präzise und anschaulich zu beschreiben. Stress kann uns weiterbringen, aber Vorsicht: irgendwann ist zu viel! Auch die Liste, wie mit Stress umgegangen werden soll, finde ich sehr hilfreich, vor allem für diejenigen, die dauerhaft unter Stress stehen. Arbeitsbedingt tue ich dies leider oft. Nichtsdestotrotz versuche ich meinen Stress einerseits als Herausforderung anzusehen, andererseits versuche ich ihn auch zu reduzieren. Auch wenn es nicht immer leicht ist, den Stress abzuschütteln, so muss es zumindest probiert werden. Oft reicht schon eine Yoga-Einheit oder ein langer Spaziergang durch den Wals mit meinem Hund (Charlie). Zusätzlich benutze ich biologische Öl Tropfen, die in gewisser Weise auch den Stresslevel senken können. Man muss wissen, wie man für sich eine stressarme Situation schaffen kann. Denn jeder ist individuell und braucht daher auch individuelle Maßnahmen!

    Abschließend bedanke ich mich und wünsche allen eine erfolgreich und STRESSFREIE Woche!
    MFG.

    1. Da Psyche und Körper unzertrennlich sind und zusammen über Wohlbefinden, Gesundheit und Krankheit bestimmen, müssen wir mit beiden achtsam umgehen.
      Ein ausgiebiger Spaziergang ist da genau das richtige, denn er senkt den Stresslevel und weckt die Lebensgeister.

      Wir freuen uns sehr, dass Ihnen unser Beitrag gefallen hat und sagen Danke für Ihren freundlichen Kommentar.

      Viele Grüße vom Hamburger Rückenzentrum Am Michel

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