Was ist dran am Kinesio-Tape?

Kinesio-Tapes (griech. kinesis = Bewegung) bestehen aus hautfreundlicher Baumwolle. Sie sind hochelastisch, atmungsaktiv und mit einem dünnen Acrylkleber versehen, der durch die körpereigene Wärme aktiviert wird.
Auf die Haut des schmerzenden Bereiches geklebt, dehnt und zieht sich das Tape bei jeder Bewegung auseinander und wieder zusammen, ohne jedoch die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Dabei wird die erste Hautschicht, die Epidermis leicht angehoben, wodurch das Blut darunter besser in die verletzte, bzw. schmerzhafte Region fließen kann und eine schmerzlindernde und stoffwechselanregende Wirkung erzielt wird. Entzündungen klingen schneller ab. Der Heilungsprozess wird beschleunigt.

Mit Elastizität zum schnelleren Heilungserfolg

Tapes werden daher häufig bei Muskel- und Gelenkschmerzen oder Schwellungen aufgrund von Verletzungen und Verschleiss eingesetzt.

Bei einer Prellung beispielsweise entzündet sich das Gewebe, schwillt an und schmerzt. Wird ein elastisches Tape aufgebracht, das bei jeder Bewegung die Haut ganz sanft liftet und massiert, wird gleichzeitig der Lymph- und Blutfluss angeregt. Dadurch klingt die Entzündung schneller ab, der Druck lässt nach und damit auch der Schmerz.

Darüber hinaus wendet man Tapes auch an, wenn die Sehnen oder Gelenke entlastet werden sollen oder die Muskeln kraftlos sind.

Studien, die die Wirksamkeit wissenschaftlich belegen, liegen nicht vor, aber reichlich praktische Erfahrungen sprechen deutlich für eine positive Wirkung.

Wie wirkt ein Kinesio-Tape?

Dabei unterscheidet man zwei Arten:

  • Soll das Tape lymphatisch wirken, wird es ohne Zug auf die Haut geklebt. Die Lymphgefäße, die in der Haut liegen, werden aktiviert und bekommen längerfristige Unterstützung (beispielsweise nach einer Lymphdrainage),  die Durchblutung wird gefördert. Gleichzeitig können Nährstoffe besser ins Gewebe gebracht und Entzündungsgifte schneller abtransportiert werden.
  • Andererseits wird, wenn beispielsweise ein Muskel oder Gelenk entlastet oder unterstützt werden soll, mit Zug gearbeitet. In diesem Fall wird das Tape gedehnt, entlang des Verlaufs eines Muskels, auf die Haut geklebt. Durch die so gespannte Haut wird ein Reiz an den Muskel gegeben, der sich jetzt besser entspannen kann. Die Beweglichkeit nimmt zu und der Schmerz lässt nach.
Beispiel für ein Kinesio-Tape bei Schulter-Nacken-Schmerzen.

Das besondere am Taping ist, dass die Bänder über mehrere Tage auf der Haut verbleiben und man so permanent die gewünschten Einflüsse auf die Muskelaktivität und über die Rezeptoren in der Haut auch auf das Nervensystem hat.

Wirkt ein Tape für sich allein?

Nein. Wie alle anderen passiven Maßnahmen auch, ist das Kinesio-Taping kein Ersatz für eine trainingstherapeutische Behandlung und es gilt daher zunächst die Ursache der Beschwerden zu kennen. Erst dann kommt das Tape als unterstützende Maßnahme in Kombination mit einer Behandlung aus manueller Therapie und aktivierendem Training zum Einsatz. Durch das Tape können sich die Muskeln des Patienten entspannen und erfahren Unterstützung. Gleichzeitig sind Übungen für die Muskeln leichter und effektiver ausführbar.

Kinesio-Tapes kommen immer häufiger auch präventiv zum Einsatz:

  • z.B. um Schonhaltungen und damit Verspannungen vorzubeugen.
  • Sportler schwören auf den Effekt, dass durch ein Kinesio-Tape die Muskulatur langsamer ermüdet und es vor Überlastung oder Verletzungen schützt.
  • Schwangere empfinden ein stützendes Tape als große Wohltat und Erleichterung.

Tapes lösen sich aufgrund ihrer Luft- und Wasserdurchlässigkeit nicht durch Duschen oder Schwitzen (selbst ein Schwimmbad- und Saunabesuch sind möglich) und können so lange auf der Haut getragen werden, wie es sich angenehm anfühlt. Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Menschen mit empfindlicher Haut können vereinzelt mit Hautreizungen oder Bläschenbildungen reagieren.

Nicht geeignet ist die Behandlung bei offenen Wunden, Neurodermitis, bei Ödemen aufgrund von Herzproblemen oder Krampfadern.

Zusammenfassung der möglichen Anwendungen:
  • Beschwerden bei Knie-, Sprung- und Schultergelenken
  • Erstversorgung nach Gelenkverletzungen, z.B. Umknicken des Sprunggelenkes
  • Muskelfaserriss
  • Verspannungen im Rücken und Nacken, Spannungskopfschmerz
  • Zerrungen, beispielsweise der Wade, Oberschenkel
  • Überlastungen, wie z.B. Tennis- und Golferarm
  • Sehnenscheidenentzündungen
  • Lymphödemen
  • zur Vorbeugung (Schutz und Stabilisation) beim Sport
  • zur Unterstützung der stark beanspruchten Bauch- und Rückenmuskulatur während der Schwangerschaft
  • Menstruationsbeschwerden

Autor: Carina Mallwitz

Redaktion Rückhalt I Der Blog vom Rückenzentrum

Ein Gedanke zu „Was ist dran am Kinesio-Tape?“

  1. Super Artikel! Danke für die Darstellung der Wirkweise und auch die möglichen Anwendungen. Der Beitrag war super hilfreich!

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