{"id":4451,"date":"2024-04-17T12:46:00","date_gmt":"2024-04-17T10:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ruecken-zentrum.de\/blog\/?p=4451"},"modified":"2024-04-18T12:03:18","modified_gmt":"2024-04-18T10:03:18","slug":"was-sie-ueber-schmerz-wissen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ruecken-zentrum.de\/blog\/2024\/04\/17\/alle\/was-sie-ueber-schmerz-wissen-sollten\/","title":{"rendered":"Was Sie \u00fcber Schmerz wissen sollten!"},"content":{"rendered":"
Wie immer, wenn man mich zu Wort kommen l\u00e4sst, geht es um das Thema Schmerz und alles, was damit zusammenh\u00e4ngt. So auch bei dem Vortrag, den ich im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe: Was Sie schon immer wissen wollten \u00fcber\u2026. <\/strong>vor Kurzem im R\u00fcckenzentrum Am Michel gehalten habe. Darin habe ich mir erlaubt, die fast wahre Geschichte von Ritter Georg zu erz\u00e4hlen und erlaube mir, diese hier in Kurzform noch einmal zu wiederholen.<\/p>\n <\/p>\n … man k\u00f6nnte sagen von gr\u00f6\u00dfter Relevanz; denn mindestens 50% der deutschen Gesellschaft hatte im vergangenen Jahr (von der Lippe et al. 2021) R\u00fcckenschmerzen, und<\/p>\n Es gibt viel Forschung zu diesem Thema und die Wissenschaft hat durchaus zahlreiche fundierte Antworten \u2013 aber hier soll es nun um das Thema Schmerzen verstehen <\/strong>gehen und warum genau dieser Punkt eine besondere Rolle spielt!<\/p>\n Deshalb noch einmal zu meiner \u2013 ganz pers\u00f6nlichen – Titelversion der Veranstaltung:<\/p>\n Die Gemeinschaft der Schmerzforscher ist sich einig \u2013 wenn die Bev\u00f6lkerung mehr zum Thema Schmerz wissen w\u00fcrde, dann k\u00f6nnte Leid reduziert, Kosten gespart und die Welt zu einem besseren Ort gemacht werden! Aber diese Information zu transportieren, scheint herausfordernder zu sein, als den heiligen Gral oder die ber\u00fchmte B\u00fcchse zu finden \u2013 geschweige denn zu \u00f6ffnen! Dies wurde brandaktuell erneut publiziert (Cormac R at al. 2023); zudem postulieren die Autor:Innen, dass es Zeit wird, eine \u00f6ffentlichkeitswirksame, massive Kampagne zu starten, die alles, was es zum Thema Schmerz zu wissen gibt, an die Bev\u00f6lkerung vermittelt: Als Hinweis auf den Babybreiflaschen, Zettel in der Schulbrotdose, bei Festivals, Sch\u00fctzenfesten und \u00fcberall woanders auch \u2013 we are all in this together<\/em>.<\/p>\n Schmerz in der Gesellschaft kann weniger werden \u2013 es ist eine Frage der Information UND des daraus resultierenden Umgangs mit einer Schmerzerfahrung. Also – zum Thema.<\/p>\n Sollten Sie das Wort noch nie geh\u00f6rt haben \u2013 Phantomschmerz ist dort, wo es keinen K\u00f6rper mehr gibt, z.B. an einem amputierten Arm oder Bein. Viele der Betroffenen haben in diesen fehlenden Gliedma\u00dfen au\u00dfergew\u00f6hnliche Schmerzen (Limakatso K et al. 2024)!<\/p>\n Richtig: Das Gehirn entscheidet, diesen Schmerz zu produzieren \u2013 zu 100%. <\/strong><\/p>\n Merken Sie sich bitte:<\/p>\n Schmerz kann da entstehen, wo es keinen K\u00f6rper mehr gibt!<\/strong><\/p>\n Bei heftigen Unf\u00e4llen u.a. Kriegsverletzungen, Haiangriffen, Verbrennungen, empfinden die Betroffenen \u2013 Sie ahnen es schon \u2013 keine Schmerzen! Zumindest nicht in dem Moment der Verletzung \u2013 im Verlauf sollte es dann weh tun, damit sich die betroffene Person schmerzangemessen verhalten kann und sich k\u00fcmmert, u.a. eine \u00c4rztin aufsucht, um Hilfe schreit, flieht … Ich m\u00f6chte nun auf den Punkt kommen:<\/p>\n Das ist nicht leicht zu glauben, wenn einem gerade der Zehennagel ins Nagelbett w\u00e4chst und \u201eweh tut wie s\u2026<\/em>\u201c \u2013 aber auch hier produziert das Gehirn das unangenehme Sinnesgef\u00fchl Schmerz. Was wenn wir die Situation am Zeh nicht sp\u00fcren w\u00fcrden? Das k\u00f6nnte b\u00f6se enden z.B. durch den Eintritt von Bakterien, die dann eine Blutvergiftung ausl\u00f6sen. Also \u2013 zum Gl\u00fcck tut es weh!<\/p>\n Wenn Schmerz entsteht, dann macht dieser Sinn und motiviert uns, uns zu k\u00fcmmern. Die schmerzhafte Region tritt ins Bewusstsein und wir machen alles, damit es dort wieder aufh\u00f6rt zu schmerzen. Daf\u00fcr kann Schonung, eine Spritze, ein Pflaster, eine Dehnung, eine Bewegung oder was auch immer sinnvoll sein. Hier sprechen wir von akutem Schmerz<\/strong> \u2013 dieser sch\u00fctzt uns und rettet im Zweifel Leben.<\/p>\n Wenn ein Schmerz bleibt, und das passiert beeindruckend h\u00e4ufig (Ca. 50% aller Patient:Innen, die das erste Mal R\u00fcckenschmerz haben, haben diesen dann auch noch nach 1 Jahr), dann sprechen wir von einem chronischen Schmerz<\/strong>. Dieser ist dann komplizierter als ein akuter Schmerz. Doch auch hier gibt es Behandlungsma\u00dfnahmen, die alle Kriterien f\u00fcr eine bestm\u00f6gliche Versorgung beinhalten u.a. bietet das R\u00fcckenzentrum Am Michel die Interdisziplin\u00e4re, Multimodale Schmerztherapie (IMST)<\/a> an. Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, an chronischen Schmerzen leiden, dann merken Sie sich diesen Begriff und fragen Sie bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse nach, wo Sie eine IMST bekommen k\u00f6nnen.<\/p>\n Er war ein wahrer Superstar des Mittelalters und daf\u00fcr ber\u00fchmt, dass er Kraft hatte, es mit mehreren Drachen gleichzeitig aufzunehmen und mit Hilfe seiner St\u00e4rke ganze Dorfgemeinschaften vor dem sicheren Tod retten konnte! Der Chuck Norris seiner Zeit! Doch \u2013 und das wissen nur wenige: Er hatte R\u00fcckenschmerzen und zwar heftig. Warum auch nicht, denn immerhin werden \u00a0mehr als 80% aller Menschen in Ihrem Leben R\u00fcckenschmerzen erleiden. Also nat\u00fcrlich auch Georg. Er informiert sich und tat alles um wieder \u201eauf seinen Gaul\u201c zu kommen \u2013 es wollte aber nicht so richtig gelingen. Immer wieder, wenn er auf\u00b4s Pferd stieg oder seine R\u00fcstung anzog, ging es im R\u00fccken wieder los \u2013 irgendwann h\u00f6rte er auf, diese Dinge zu tun und zog sich zur\u00fcck.<\/p>\n Ungelogen \u2013 Georg h\u00f6rte 100 solcher Hinweise, doch leider half nichts. Vermeidung brachte nichts, trotzdem weitermachen brachte nichts, Kr\u00e4uter brachten nichts usw..<\/p>\n Georg brauchte eine clevere, einfache L\u00f6sung, die ihn aus dieser ganzen Misere rausholte und das Gute \u2013 Sie liebe Leser und Leserinnen k\u00f6nnen ihm helfen. Zumindest soweit wie das \u00fcber einen gelesenen Blogbeitrag m\u00f6glich ist; aber machen Sie mit und unterst\u00fctzen Sie Georg!<\/p>\n Wir wissen folgendes:<\/p>\n Das Gehirn produziert Schmerz als Schutz und tut dies aus verschiedenen Gr\u00fcnden: u.a., weil im K\u00f6rper was gesch\u00e4digt ist (Denken Sie an den Zehennagel) oder weil der Gedanke existiert, dass etwas gesch\u00e4digt sein k\u00f6nnte (Denken Sie an Georg, der glaubt, dass er etwas Schlimmes hat) oder dass eine bestimmte Bewegung etwas kaputt machen kann. F\u00fcr Schmerz gibt es viele weitere Ursachen \u2013 das Gehirn tut eben alles, um zu gew\u00e4hrleisten, dass alles \u201ein Butter\u201c ist, wie wir hier in Hamburg zu sagen pflegen.<\/p>\n Ja klar! Das muss er sogar, damit sein Gehirn lernt, dass Reiten nicht gef\u00e4hrlich ist! Und zudem identifiziert er sich \u00fcber seine Rolle als Ritter.<\/p>\n Nein! Chronischer Schmerz ist sehr gut behandelbar \u2013 zum einen durch Verst\u00e4ndnis von Schmerzentstehung und zum anderen durch schrittweises Wiedererlangen der normalen Aktivit\u00e4t im Alltag.<\/p>\n Nein! Wenn \u00fcberhaupt, dann ist es ein super Trainingsger\u00e4t des Mittelalters!<\/p>\n Wenn wir Strukturen im K\u00f6rper belasten z.B. Knochen oder Bandscheiben \u2013 dann werden diese kr\u00e4ftiger und gehen nicht kaputt (wie viele Menschen denken!) \u2013 eine kleine Info nebenbei: Joggen macht die Bandscheiben dicker (Mitchell U et al. 2020) und auch andere Dinge, die Bewegung implizieren (und Freude!), sind gesund f\u00fcr unseren K\u00f6rper.<\/p>\n Wenn Georg gut informiert ist und sein Gehirn lernt, was richtig und falsch ist, geht es ihm bald wieder besser. Wenn er diesen Schritt dann noch mit Bewegung kombiniert und sich sein Leben zur\u00fcckholt, ist er weniger eingeschr\u00e4nkt und gl\u00fccklicher! Und wenn er nicht gestorben ist dann reitet er noch heute!<\/p>\n Eine gute Schmerztherapie ber\u00fccksichtigt alle Faktoren, die zu Schmerz f\u00fchren k\u00f6nnen. Freuen Sie sich auf ein gutes Gespr\u00e4ch mit Ihrer Therapeut:In (welcher Disziplin auch immer) und stellen Sie clevere Fragen:<\/p>\n von der Lippe, Elena, et al. „Prevalence of back and neck pain in Germany. Results from the BURDEN 2020 Burden of Disease Study.“ Journal of Health Monitoring<\/em> 6.Suppl 3 (2021): 2.<\/p>\n Ryan, Cormac G., et al. „We Are All in This Together\u2014Whole of Community Pain Science Education Campaigns to Promote Better Management of Persistent Pain.“ The Journal of Pain<\/em> Vol. 25, No. 4 (2024): 902-917<\/p>\nDas Thema Schmerz ist relevant …\u00a0<\/strong><\/h5>\n
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Wie kann das sein?<\/strong><\/h5>\n
Was Sie schon immer wissen sollten<\/u> <\/em>\u00fcber\u2026<\/strong><\/h5>\n
Achtung: Wenn Sie jetzt weiterlesen, kann es sein, dass Sie mehr zum Thema Schmerz wissen als viele derer, die Sie in den letzten Jahren mit der Frage: \u201eWas kann ich gegen meine Schmerzen tun?\u201c, konsultiert haben.<\/strong><\/pre>\n
Wie kann es sein, dass es einen Phantomschmerz gibt?<\/strong><\/h5>\n
\nDas Ph\u00e4nomen, dass es im ersten Moment nicht weh tut, nennt sich Stressanalgesie<\/strong> und bedeutet, wenn wir von jetzt auf gleich in eine stressige, lebensbedrohliche Situation kommen, dann kann das Gehirn (100%) entscheiden, Neurotransmitter und Hormone freizulassen, die verhindern, dass wir Schmerzen empfinden.<\/p>\nZusammengefasst: Phantomschmerzen sind <\/strong>Schmerzen in einem Bereich der nicht da ist und au\u00dfergew\u00f6hnliche\/ extreme Verletzungen k\u00f6nnen schmerzfrei sein.<\/strong><\/pre>\n
Schmerz ist immer (100%) eine Entscheidung des Gehirns. <\/strong><\/h5>\n
Mit Spannung erwarten Sie die Geschichte von Ritter Georg.<\/strong><\/h5>\n
<\/a>Dieser Kontrollverlust belastete ihn und machte ihn traurig. Er sp\u00fcrte, dass er d\u00fcnnh\u00e4utiger wurde und war genervt. Alle Empfehlungen halfen nichts \u2013 eigentlich machten sie das Problem noch schlimmer.<\/p>\n\n
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Darf Georg wieder seine R\u00fcstung anziehen und auf\u00b4s Pferd steigen?<\/strong><\/h5>\n
Muss Georg akzeptieren, dass seine Schmerzen nie wieder vergehen?<\/strong><\/h5>\n
<\/a>Ist Georgs R\u00fcstung zu schwer und verantwortlich f\u00fcr seine R\u00fcckenschmerzen?<\/strong><\/h5>\n
\nUnd genau deshalb gilt: Schmerzen verstehen macht Sinn!<\/strong><\/p>\nDie Moral von der Geschichte:\u00a0<\/strong><\/h5>\n
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\n<\/li>\n<\/ul>\nLiteratur:<\/strong><\/h5>\n