{"id":3737,"date":"2021-12-20T10:57:17","date_gmt":"2021-12-20T09:57:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ruecken-zentrum.de\/blog\/?p=3737"},"modified":"2021-12-20T18:58:31","modified_gmt":"2021-12-20T17:58:31","slug":"impingement-fai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ruecken-zentrum.de\/blog\/2021\/12\/20\/alle\/impingement-fai\/","title":{"rendered":"Schmerzen in der Leiste? Was dahinter stecken k\u00f6nnte."},"content":{"rendered":"
Das Aufstehen nach l\u00e4ngerem Sitzen bereitet Ihnen Schmerzen im Leistenbereich, k\u00f6rperliche Belastungen f\u00fchren zu Steifigkeitsgef\u00fchlen in der H\u00fcfte und Ihre Beweglichkeit ist eingeschr\u00e4nkt? Diese Symptomatik kann auf verschiedene H\u00fcfterkrankungen hinweisen. <\/p>\n Hinter diesem Begriff verbergen sich das Femur =<\/strong>\u00a0Oberschenkelknochen, das Azetabulum =\u00a0<\/strong>die H\u00fcftgelenkspfanne und das\u00a0Impingement, <\/strong>das\u00a0so viel wie Einklemmung bedeutet, verk\u00fcrzt:\u00a0Engesyndrom der H\u00fcfte. <\/strong>Voil\u00e0, jetzt haben Sie schon einmal eine Idee, an welcher Stelle wir uns gerade befinden.<\/p>\n Man unterscheidet drei Formen des FAI:<\/p>\n W\u00e4hrend beim Cam-Impingement zu viel Knochenmaterial am Oberschenkelhals f\u00fcr Probleme sorgen kann, ist es beim Pincer-Impingement so, dass die H\u00fcftpfanne den H\u00fcftkopf \u00fcber Geb\u00fchr umschlie\u00dft.<\/p>\n Diese strukturellen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren zu einem nicht optimalen Kontakt der beiden Gelenkpartner und k\u00f6nnen Schmerzen verursachen. Gleichzeitig k\u00f6nnen dadurch auch der Gelenkknorpel und die Gelenklippe (Labrum) beeintr\u00e4chtigt werden (1). Wie so oft gibt es aber nicht nur Schwarz und Wei\u00df: Die beschriebenen Ver\u00e4nderungen werden mitunter auch bei Menschen festgestellt, die keine Beschwerden haben. Folglich muss es nicht zwangsl\u00e4ufig zu Problemen kommen.<\/p>\n Von einem FAI sind insbesondere Menschen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr betroffen (2). Das ergab eine gro\u00dfe, multizentrische Studie aus Nordamerika, an der insgesamt acht Einrichtungen teilnahmen. Dabei wurden die Merkmale von 1076 Patienten, die sich aufgrund ihres FAI hatten operieren lassen, analysiert. 55 Prozent der Patienten waren weiblich, die meisten hatten entweder ein Cam-Impingement (rund 48 Prozent) oder eine Mischform (rund 45 Prozent). Der Body Mass Index (BMI) lag durchschnittlich bei 25 und war somit noch im normalgewichtigen Bereich, die Betroffenen hatten also kein \u00dcbergewicht. Die Patienten waren vergleichsweise jung, durchschnittlich 28 Jahre alt (3).<\/p>\n Derzeit besteht noch Forschungsbedarf, aber folgende Faktoren k\u00f6nnen das Risiko f\u00fcr das Auftreten eines FAI erh\u00f6hen:<\/p>\n Knapp 90 % der Betroffenen berichten \u00fcber vorderen H\u00fcft- bzw. Leistenschmerz, knapp 70 % haben Schmerzen seitlich im H\u00fcftbereich. Sowohl Symptome im vorderen Oberschenkel sind m\u00f6glich (35 %), als auch im Ges\u00e4\u00df, Knie oder im LWS-Bereich (20 \u2013 30 %) (4). Typischerweise werden Schmerzen durch (tiefes) Sitzen provoziert. Des Weiteren k\u00f6nnen \u00dcbungen wie Kniebeugen (Squats) symptomausl\u00f6send sein. Ferner berichten Patienten \u00fcber Steifigkeitsgef\u00fchle, teilweise besteht vor\u00fcbergehend ein hinkendes Gangbild nach k\u00f6rperlicher Belastung. Der Schmerz kann phasenweise auftreten, im sp\u00e4teren Verlauf ist auch ein Dauerschmerz m\u00f6glich (2).<\/p>\n Urs\u00e4chlich f\u00fcr \u00e4hnliche Beschwerden k\u00f6nnen auch andere H\u00fcfterkrankungen sein, z. B. ein nicht optimal ausgebildetes H\u00fcftgelenk (H\u00fcftdysplasie) oder Gelenkverschlei\u00df im Sinne einer Arthrose. Daher ist die Bildgebung in Form von R\u00f6ntgenaufnahmen unabdingbar, um die Verdachtsdiagnose FAI zu \u00fcberpr\u00fcfen. Gelegentlich wird mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) zus\u00e4tzlich noch der Zustand der Gelenklippe beurteilt.<\/p>\n In der physiotherapeutischen Befunderhebung inspiziert der Physiotherapeut das Gangbild und ermittelt \u00fcber spezielle Tests u. a. die Kraft der H\u00fcftmuskulatur und das Bewegungsausma\u00df der H\u00fcfte im Seitenvergleich. Eine schmerzhafte Einschr\u00e4nkung bei der Beugung als auch der Innenrotation gelten als charakteristische Merkmale f\u00fcr ein FAI.<\/p>\n Weitere Tests, wie z. B. eine Bewegungskombination aus H\u00fcftbeugung, -innenrotation und -anspreizung des Beines k\u00f6nnen ebenfalls einen Hinweis auf ein FAI geben.\u00a0In diesem Fall bewegt der Physiotherapeut das Bein am liegenden Patienten in die Richtung, in der der Schmerz ausgel\u00f6st wird. Jetzt ist es wichtig, den Patienten zu fragen, ob es sich um den typischen H\u00fcftschmerz oder um einen anderen lokalen Schmerz handelt (z. B. durch Muskeldehnung)? Allerdings muss man dabei immer bedenken, dass diese klinischen Tests nicht zu 100 % spezifisch sind, da sie auch auf andere H\u00fcfterkrankungen hinweisen k\u00f6nnen, also nicht unbedingt zwingend nur auf das FAI. Vielmehr m\u00fcssen alle verf\u00fcgbaren Informationen, auch aus dem Patientengespr\u00e4ch, beurteilt und gewichtet werden, um am Ende zu einem gesicherten Ergebnis zu gelangen.<\/p>\n Zurzeit besteht noch Bedarf an wissenschaftlichen Studien, die den Einsatz von Physiotherapie zur Behandlung des FAI strukturiert untersuchen. Dar\u00fcber hinaus ist auch noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, ob Patienten eher von operativer oder konservativer Therapie profitieren. Die Empfehlungen in der Literatur sind uneinheitlich (5).<\/p>\n Bezogen auf das konservative Vorgehen, empfiehlt die American Physical Therapy Association (APTA) folgende Therapie (1):<\/p>\n Entscheidet sich der Patient f\u00fcr eine Operation, wird in der Regel eine Arthroskopie (ASK) durchgef\u00fchrt. So kann z. B. \u00fcbersch\u00fcssiges Knochenmaterial entfernt oder die Gelenklippe getrimmt werden. In Einzelf\u00e4llen werden auch komplexere Umstellungs-Osteotomien zur Verbesserung der H\u00fcftmechanik vorgenommen.<\/p>\n Dar\u00fcber, in welchem Ma\u00df ein FAI zur Entwicklung einer Arthrose beitragen kann, gibt es aktuell noch keinen Konsens. Daneben ist auch noch nicht gekl\u00e4rt, welcher Subtyp (Cam, Pincer, gemischt) st\u00e4rker betroffen ist (1).<\/p>\n Beim FAI gibt es verschiedene Subtypen, am h\u00e4ufigsten sind die Mischform und das Cam-Impingement. Zur Absicherung der Diagnose sind R\u00f6ntgenaufnahmen der Goldstandard. Dabei kommen sowohl konservative Therapiema\u00dfnahmen als auch Operationen zum Einsatz. Als gesichert gilt ferner, dass nicht alle Menschen, bei denen man strukturelle Ver\u00e4nderungen im Sinne eines FAI findet, auch Symptome haben .<\/p>\n Literatur<\/p>\n (1) Pun S, Kumar D, Lane NE (2015). Femoroacetabular Impingement. Arthritis Rheumatol. 67, 1: 17\u201327<\/p>\n (2) Diemer F, Sutor V. 2018. Praxis der medizinischen Trainingstherapie: 1: Lendenwirbels\u00e4ule, Sakroiliakalgelenk und untere Extremit\u00e4t (3., aktualisierte und erweiterte Auflage). Stuttgart: Thieme.<\/p>\n (3) Clohisy JC, Baca G, Beaul\u00e9 PE, et al. 2014. Descriptive Epidemiology of Femoroacetabular Impingement: A North American Cohort of Patients Undergoing Surgery. Am J Sports Med. 41:1348\u201356\u00a0https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/23669751\/<\/a><\/p>\n (4) Clohisy JC, Knaus ER, Hunt DM, Lesher JM, Harris-Hayes M, et al. 2009. Clinical presentation of patients with symptomatic anterior hip impingement. Clinical Orthopaedics and Related Research, 467, 3: 638\u201344. (5) Kim CH, Moon JK, Yoon JY, Lee S, Kim WJ, et al. 2020. Arthroscopy versus nonoperative treatment of symptomatic femoroacetabular impingement syndrome: A systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore) 99, 49: e23247 Anschauliche Fotos und weitere Informationen zu diesem Krankheitsbild finden Sie auch im Artikel des Hamburger \u00c4rzteblattes, Ausgabe 05\/2019: Wenn die Leiste zwickt und es doch kein Leistenbruch ist …<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Das H\u00fcft-Impingement
\nEine ist\u00a0das\u00a0Femoroazetabul\u00e4re Impingement<\/strong>\u00a0(FAI), die wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen m\u00f6chten.<\/p>\nWas ist ein Femoroazetabul\u00e4res Impingement\u00a0(FAI)?<\/h5>\n
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Wer ist von einem\u00a0FAI betroffen?<\/h5>\n
Welche Faktoren erh\u00f6hen das Risiko f\u00fcr ein FAI?<\/h5>\n
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Welche Symptome haben Menschen mit FAI?<\/h5>\n
Wie wird ein FAI diagnostiziert?<\/h5>\n
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<\/a>Wie therapiert man ein FAI?<\/h5>\n
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Fazit<\/h5>\n
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\nhttps:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC2635448\/<\/a><\/p>\n
\nhttps:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7717757\/<\/a><\/p>\n
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\nEin Beitrag von Matthias P\u00f6sl und Anna Palisi<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":3752,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,17,12],"tags":[145,143,144,146],"class_list":["post-3737","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-alle","category-aktuelles-aus-der-wissenschaft","category-fachbegriffe","tag-fai","tag-hueftimpingement","tag-hueftschmerzen","tag-leistenschmerzen"],"yoast_head":"\n