{"id":3711,"date":"2021-11-30T18:00:06","date_gmt":"2021-11-30T17:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/ruecken-zentrum.de\/blog\/?p=3711"},"modified":"2021-11-30T18:38:24","modified_gmt":"2021-11-30T17:38:24","slug":"zaehneknirschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ruecken-zentrum.de\/blog\/2021\/11\/30\/alle\/zaehneknirschen\/","title":{"rendered":"Kieferschmerzen – was dahinterstecken kann und welche Behandlung Erfolg verspricht!"},"content":{"rendered":"
Hat jemand Beschwerden im Kopf- und Kieferbereich, kann die Diagnose cranio-mandibul\u00e4re Dysfunktion (CMD) vorliegen. Auch das Z\u00e4hneknirschen- und pressen (Bruxismus) verursacht \u00e4hnliche Symptome. Trotzdem sind die beiden Begriffe keine Synonyme. Lesen Sie hier \u00fcber \u00c4hnlichkeiten und Unterschiede zwischen CMD und Bruxismus und welchen Stellenwert K\u00f6rperwahrnehmung und Entspannung bei diesem Thema einnehmen. <\/p>\n
Kardinalsymptome einer CMD sind:<\/p>\n
Man unterscheidet CMD, die eher von der Muskulatur<\/strong> ausgeht, von solcher, die ihre Ursache eher im Gelenk<\/strong> selbst findet. In der Therapie der CMD kommen manualtherapeutische Ma\u00dfnahmen, aber vor allem \u00dcbungen zum Einsatz, um<\/p>\n Bruxismus bezeichnet unter anderem das Z\u00e4hneknirschen oder Pressen mit den Z\u00e4hnen.<\/p>\n Der prim\u00e4re Bruxismus<\/strong> tritt ohne erkennbare Ursache auf (idiopathisch) und ist aus Sicht der aktuellen Forschung nicht urs\u00e4chlich heilbar (3).<\/p>\n Ausl\u00f6ser f\u00fcr den sekund\u00e4ren Bruxismus<\/strong> k\u00f6nnen sein:<\/p>\n Man unterscheidet Schlaf- von Wachbruxismus. W\u00e4hrend f\u00fcr den Schlafbruxismus eher oben aufgef\u00fchrte Ursachen genannt werden, scheint der Wachbruxismus \u00fcberwiegend psychologische Ursachen zu haben, wie emotionaler Stress, Angst, gest\u00f6rte Stressverarbeitung oder Depressionen (3).<\/p>\n Ein Blick in die Literatur weist darauf hin, dass rund 13 Prozent (+\/- 3,1) der Erwachsenen an einem Schlafbruxismus leiden, der Wachbruxismus ist mit rund 22 bis 31 Prozent vertreten (3).<\/p>\n Zum Schutz der Z\u00e4hne und zur Entlastung der Kiefergelenke kommen Aufbissschienen zum Einsatz.<\/p>\n Sowohl Bruxismus als auch CMD k\u00f6nnen mit Schmerzen im Bereich der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur einhergehen und die endgradige Mund\u00f6ffnung kann eingeschr\u00e4nkt sein. Auch begleitende Kopfschmerzen sind in beiden F\u00e4llen m\u00f6glich, z. B. Schl\u00e4fenkopfschmerz nach dem Erwachen. Beim Bruxismus kann es auch zu empfindlichen Z\u00e4hnen und einer starken Auspr\u00e4gung der Kaumuskulatur kommen (\u201eHamsterb\u00e4ckchen\u201d). Auch kann es zu einer unerw\u00fcnschten gesteigerten Zahn-Beweglichkeit kommen. Zahnf\u00fcllungen und \u2013rekonstruktionen k\u00f6nnen durch Bruxismus kaputt gehen.<\/p>\n Ob Bruxismus die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr das Auftreten einer CMD erh\u00f6ht, ist noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Bruxismus und CMD k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber nicht zwangsl\u00e4ufig miteinander einhergehen. Viele Bruxismus-Patienten berichten \u00fcber Zeichen und Symptome einer CMD (3), aber es gibt auch Menschen, deren Zahnsubstanz durch das Knirschen bereits deutlich angegriffen ist, die aber ansonsten \u00fcber keine Einschr\u00e4nkungen des Kiefers berichten.<\/p>\n Bei der Therapie von Bruxismus spielt die psychische Anspannung eine gro\u00dfe\u00a0Rolle. Redewendungen gibt es genug: Man zeigt die Z\u00e4hne, bei\u00dft sich durch, bei\u00dft die Z\u00e4hne aufeinander \u2026 im wahrsten Sinne des Wortes.<\/p>\n Beim Pressen und Z\u00e4hneknirschen tags\u00fcber k\u00f6nnen Sie Ihr Verhalten beobachten: Verkrampfen Sie sich bei einer anspruchsvollen Aufgabe in der Arbeit? Verbei\u00dfen Sie sich in eine \u201eharte Nuss\u201d, die Sie knacken wollen? Vielleicht helfen Ihnen zur Erinnerung post-its oder der Handy-Alarm dabei, sich zu beobachten und zu \u00fcberpr\u00fcfen: Dr\u00fccke ich meine Z\u00e4hne zusammen? Kann ich bewusst lockerlassen?<\/p>\n Stichwort Schlafhygiene. Folgende Tipps k\u00f6nnen helfen, Ihren Schlaf zu verbessern:<\/p>\n Diese Tipps sind naturgem\u00e4\u00df pauschal \u2013 probieren Sie selbst aus, was f\u00fcr Sie Sinn macht. Auch Einschlafrituale, wie ein kleiner Spaziergang oder ein paar Atem\u00fcbungen vorm Einschlafen k\u00f6nnen helfen, sachte in die Nachtruhe zu starten.<\/p>\n Die Experten der Leitlinie Bruxismus (3) stimmen darin \u00fcberein, dass das Erlernen eines Entspannungsverfahrens, wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, <\/strong>eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Patienten mit Bruxismus sein kann, die eigene K\u00f6rperwahrnehmung und Achtsamkeit zu schulen.<\/p>\n Carolin Eich, Psychologin im R\u00fcckenzentrum Am Michel, schildert, wie sie sich mit ihren Patienten diesem Thema n\u00e4hert.<\/em><\/p>\n Das Zusammenpressen der Z\u00e4hne kann unbewusst als Ventil zum Stressabbau dienen. Ursachen daf\u00fcr k\u00f6nnen zum Beispiel beruflicher Stress, finanzielle Sorgen oder Schwierigkeiten in der Familie sein. Aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder \u00c4ngste k\u00f6nnen eine Rolle spielen. Eine Methode, mit der viele Patienten gute Erfahrungen machen, ist das Erlernen eines Entspannungsverfahrens. Neben Atem\u00fcbungen, Imaginationstechniken und autogenem Training kommt in meiner Arbeit vor allem die progressive Muskelentspannung nach Jacobson zum Einsatz. Das Verfahren ist ganz einfach zu erlernen und kann helfen, Anspannung und die damit verbundene Muskelaktivit\u00e4t zu senken. Dabei werden verschiedene Muskelgruppen bewusst an- und wieder entspannt. Dadurch k\u00f6nnen Sie schrittweise lernen, in die einzelnen Muskeln hinein zu sp\u00fcren und mit der Zeit besser wahrzunehmen, wann diese angespannt oder entspannt sind. Das braucht etwas \u00dcbung, aber es lohnt sich, dranzubleiben!<\/p>\n Grunds\u00e4tzlich kann jeder lernen, sich zu entspannen. Probieren Sie es doch gleich einmal mit einer kleinen \u00dcbung aus der progressiven Muskelentspannung aus:<\/p>\n Pressen Sie die Lippen leicht aufeinander, ziehen ihre Mundwinkel nach hinten in Richtung Ohren und dr\u00fccken Sie ihre Zunge gegen den oberen Gaumen. Die Z\u00e4hne sind dabei leicht ge\u00f6ffnet. Halten Sie diese Anspannung f\u00fcr einen kurzen Moment und lassen dann alle Muskeln wieder ganz locker.<\/p>\n Neben dem Erlernen von Entspannungstechniken l\u00e4sst sich das Thema Bruxismus auch langfristig mit Stressreduktion angehen. Dabei kann Selbstbeobachtung ein erster wichtiger Schritt sein, um eigene ung\u00fcnstige, stressverst\u00e4rkende Verhaltensmuster zu identifizieren und neue Strategien im Umgang mit Stress zu entwickeln. Fragen Sie sich doch einmal: Was stresst mich?<\/p>\n F\u00e4llt es Ihnen beispielsweise schwer, auch mal Nein zu sagen und Sie wissen bei den vielen Aufgaben gar nicht mehr, wo Ihnen der Kopf steht? Damit sind Sie nicht allein. Ich h\u00f6re von Patienten oft, dass diese f\u00fcr den Geburtstag einer Freundin schnell einen Kuchen backen, dem Bruder beim Umzug helfen und nach einem langen Arbeitstag noch \u00dcberstunden dranh\u00e4ngen. Und das auch, wenn eigentlich keine Zeit und Energie daf\u00fcr da ist. Da werden eigene Bed\u00fcrfnisse \u00f6fter mal runtergeschluckt und \u201edie Z\u00e4hne zusammengebissen\u201d. Doch was ist Ihnen im Leben wirklich wichtig? Notieren Sie sich doch einmal ihre Priorit\u00e4ten. Dazu geh\u00f6rt auch, hin und wieder mal Nein zu einer Bitte zu sagen und sich mehr Raum f\u00fcr pers\u00f6nliche W\u00fcnsche zu schaffen. So kann Ihnen klarer werden, was Sie wirklich wollen oder vielleicht auch nicht wollen.<\/p>\n Wer sich nicht selbst zu helfen wei\u00df, kann sich auch professionelle Hilfe beim Psychologen suchen, um dort mehr Klarheit \u00fcber m\u00f6gliche Stressfaktoren und den Umgang mit diesen zu gewinnen.<\/p>\n Auch Biofeedback kann laut der Experten der Leitlinie Bruxismus (3) zur Reduktion von Wach- und Schlafbruxismus angewendet werden. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem elektrische Sensoren eingesetzt werden, welche die Muskelaktivit\u00e4t messen und der betroffenen Person \u00fcber optische und akustische Signale R\u00fcckmeldung geben. So k\u00f6nnen Sie lernen, das meist eher unbewusst ablaufende Z\u00e4hneknirschen besser wahrzunehmen und zu steuern. Seit einigen Jahren gibt es auch Schienen, die mit dieser Biofeedbacktechnik arbeiten (4). Beim Zubei\u00dfen wird der Tr\u00e4ger durch Vibrieren und einen Summton auf das Z\u00e4hneknirschen aufmerksam gemacht. Sobald der Druck nachl\u00e4sst, stoppen die Signale. So wird der Tr\u00e4ger der Schiene unterbewusst konditioniert, weniger zu knirschen.<\/p>\n W\u00e4hrend man bei einer CMD die Ursache in der Muskulatur oder dem Gelenk findet, ist sie beim Bruxismus vielf\u00e4ltiger. Die Behandlung einer CMD erfolgt meist in Form einer \u00dcbungstherapie, unterst\u00fctzt durch Manualtherapie, beim Bruxismus ist vor allem psychologische Unterst\u00fctzung angeraten. Ansatzpunkte f\u00fcr die Behandlung sind Entspannungsverfahren, Stressreduktion und Biofeedback. Literatur:<\/p>\n (1) Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC\/TMD): Diagnostisches Flussdiagramm.\u00a0https:\/\/www.uniklinikum-leipzig.de\/einrichtungen\/zahn-prothetik\/Freigegebene%20Dokumente\/flussdiagramm-zahn-prothetik-uniklinikum-leipzig.pdf<\/a> (Zugriff am 29.09.2021)<\/p>\n (2) T\u00fcrp JC, Schindler HJ. 2020. Screening f\u00fcr kraniomandibul\u00e4re Dysfunktionen. Der Schmerz, 34:13-20.<\/p>\n (3) S3-Leitlinie (Langversion): Diagnostik und Behandlung von Bruxismus\u00a0https:\/\/www.awmf.org\/uploads\/tx_szleitlinien\/083-027l_S3_Bruxismus-Diagnostik-Behandlung_2019-06.pdf<\/a> (Zugriff am 29.09.2021)<\/p>\n
\nTeilweise besteht ein lautes Knacken des Kiefers, z. B. beim weiten \u00d6ffnen des Mundes oder w\u00e4hrend der Mahlzeiten. Ein Knacken des Kiefers ist nicht besorgniserregend und bedarf keiner besonderen Behandlung, solange es nicht weh tut (2).<\/u> Das Knacken wird \u00fcberwiegend durch eine zeitversetzte Bewegung von Kieferk\u00f6pfchen einerseits und der dar\u00fcber befindlichen beweglichen Knorpelscheibe (Discus) andererseits ausgel\u00f6st. Dieses Ph\u00e4nomen bezeichnet man auch als anteriore Discusverlagerung mit Reposition. Die gute Nachricht: Ein schmerzfreies Knacken bedeutet nicht, <\/strong>dass Sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eine schmerzhafte CMD bekommen werden (2).<\/p>\nWie behandelt man eine CMD?<\/h5>\n
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Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Homepage unter der Rubrik Krankheitsbilder<\/a>.<\/pre>\n
<\/a>Bruxismus<\/h5>\n
In der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) findet sich folgende Formulierung: Bruxismus ist \u201eeine wiederholte Kaumuskelaktivit\u00e4t, charakterisiert durch Kieferpressen und Z\u00e4hneknirschen und\/oder Anspannen oder Verschieben des Unterkiefers ohne Zahnkontakt\u201d (3).<\/pre>\n
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Wie h\u00e4ufig kommt Bruxismus vor?<\/h5>\n
Gemeinsamkeiten und Unterschiede<\/h5>\n
Entspannung: Therapiebaustein bei Bruxismus<\/h5>\n
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Progressive Muskelentspannung nach Jacobson<\/h5>\n
<\/a>Wie ist die psychologische Sicht auf das Thema Bruxismus?<\/h5>\n
<\/a>Stressreduktion – Ansetzen an den Ursachen<\/h5>\n
Biofeedback gegen Bruxismus<\/h5>\n
Fazit<\/h5>\n
\nVon Person zu Person k\u00f6nnen urs\u00e4chliche Faktoren f\u00fcr das Z\u00e4hneknirschen und -pressen ganz unterschiedlich zusammengesetzt sein. Probieren Sie daher aus, welche Methoden Ihnen guttun und zu einer Reduktion Ihrer Beschwerden beitragen.<\/p>\n
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