{"id":3054,"date":"2020-07-30T12:15:03","date_gmt":"2020-07-30T10:15:03","guid":{"rendered":"http:\/\/ruecken-zentrum.de\/blog\/?p=3054"},"modified":"2020-07-31T10:30:07","modified_gmt":"2020-07-31T08:30:07","slug":"ein-leben-ohne-schmerzen-gibt-es-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ruecken-zentrum.de\/blog\/2020\/07\/30\/rueckenschmerzen\/ein-leben-ohne-schmerzen-gibt-es-das\/","title":{"rendered":"Ein Leben ohne Schmerzen. Gibt es das?"},"content":{"rendered":"
\u201eWas ist Ihr Ziel in der physiotherapeutischen Behandlung?\u201c \n\u201eNa, Schmerzfreiheit nat\u00fcrlich!\u201c<\/p>\n
Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Patienten, die sich in der Orthop\u00e4die und der Physiotherapie vorstellt, w\u00fcnscht sich ein vollkommen schmerzfreies Leben!? \nZumindest ist \u201eSchmerzfreiheit\u201c das gef\u00fchlt am h\u00e4ufigsten genannte Therapieziel von Patienten mit muskuloskelettalen Beschwerden, wie R\u00fccken-, Nacken-, Knie- und H\u00fcftschmerzen.<\/p>\n
Aber ist Schmerzfreiheit die Voraussetzung daf\u00fcr, dass Sie Ihren Alltag aktiv und nach Ihren Vorstellungen gestalten k\u00f6nnen?<\/p>\n
Werfen wir daf\u00fcr zun\u00e4chst einen kurzen Blick auf die Unterscheidung von akuten und anhaltenden (chronischen) Schmerzen.<\/p>\n
Stellen wir uns einen Patienten mit akuten R\u00fcckenschmerzen vor, vielleicht sogar mit einem frischen Bandscheibenvorfall mit lokaler Entz\u00fcndung und ausstrahlenden Schmerzen im Bein. Dieser Schmerz ist sinnvoll und normal, schlie\u00dflich soll das verletzte Gewebe heilen.\u00a0W\u00e4hrend der Heilungsphase nehmen die Beschwerden dann normalerweise zunehmend ab.<\/p>\n
Derselbe Patient, vier Monate sp\u00e4ter. Der R\u00fccken tut immer noch weh. Wie kann das sein? Der Mensch hat sich nicht recht getraut, die normale Belastung allm\u00e4hlich wieder aufzunehmen, berufliche und private Termine abgesagt, sich zur\u00fcckgezogen. Seine Schmerzen sind chronisch geworden.<\/p>\n
Schmerzen bezeichnet man ab drei bis sechs Monaten Dauer als chronisch oder anhaltend.<\/pre>\n
Was aber passiert, wenn Schmerzen bleiben? <\/strong><\/h5>\n
Es kommt unter anderem zu einer erh\u00f6hten Sensibilisierung des Nervensystems, die Schmerzschwelle sinkt, es tut schneller weh (1). Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus Inaktivit\u00e4t, Angst vor Wiederverletzung, sinkender Belastbarkeit und Schmerz. Die Behandlung bei chronischen Beschwerden ist langwierig.<\/p>\n
Was uns zur\u00fcck zu den Therapiezielen f\u00fchrt.<\/p>\n
Denn um zu erkennen, dass es Ihnen besser geht, m\u00fcssen Sie sich klare Ziele setzen. Bei unspezifischen Therapiezielen hingegen sind die Entt\u00e4uschung des Patienten und der Frust des Therapeuten praktisch vorprogrammiert. Daher ist es so wichtig, zu definieren, wor\u00fcber man spricht. \nGeeignet sind Ziele, die sich auf Aktivit\u00e4ten oder die Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben beziehen. Dies empfiehlt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den ICF-Kriterien (Internationale Klassifikation\u00a0 der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und Gesundheit) (2). \nFragen Sie sich, was Sie wieder machen k\u00f6nnten, wenn es Ihnen besser ginge. Zum Beispiel: \u201eWenn ich l\u00e4nger gehen k\u00f6nnte, dann w\u00fcrde ich den lang ersehnten St\u00e4dtetrip nach Rom machen\u201c. Oder: \u201eMein Ziel ist es, l\u00e4nger sitzen zu k\u00f6nnen, damit ich mit meinem Mann das tolle neue Restaurant ausprobieren kann.\u201c<\/em><\/p>\n
Formulieren Sie Ihre Ziele positiv. Stellen Sie sich vor, wie gut Sie sich f\u00fchlen werden, wenn Sie ihre Ziele erreicht haben. Das hilft Ihnen dabei, auch in schwierigen Zeiten am Ball zu bleiben.<\/pre>\n
SMARTe Ziele formulieren<\/strong><\/h5>\n
Ein Instrument zur Formulierung von Zielen, das sich bew\u00e4hrt hat und Ihnen helfen kann, hei\u00dft SMART (3). Die Buchstaben dieses Akronyms stehen f\u00fcr:<\/p>\n
Ihr Ziel muss f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich wichtig<\/strong> sein, egal, ob andere es auch wichtig finden. Es sollte sich auf die Teilhabe am Leben beziehen, also auf die Arbeit, Familie oder das gesellschaftliche Leben. Aus der Zielformulierung soll klar hervor gehen, dass Sie derjenige sind, der die Z\u00fcgel in der Hand h\u00e4lt, niemand sonst. Zum Beispiel: \u201eIch verbessere meine k\u00f6rperliche Fitness, damit ich im Sommer einen Wanderurlaub machen kann.<\/em>\u201c<\/li>\n
Ihr Ziel muss messbar<\/strong> sein, zum Beispiel die Strecke, die Sie gehen k\u00f6nnen. Oder die Schmerzintensit\u00e4t auf einer zehnstufigen Skala, zum Beispiel eine Verbesserung von sechs auf vier. Mit wieviel Schmerz k\u00f6nnten Sie leben?<\/li>\n
Ziele sollen aktionsorientiert<\/strong> sein: Was werden Sie konkret tun, um ihr Ziel zu erreichen? Zum Beispiel: \u201eIch mache in den n\u00e4chsten drei Monaten konsequent dreimal w\u00f6chentlich f\u00fcr 20 Minuten meine Gymnastik\u00fcbungen.<\/em>\u201c<\/li>\n
Ihr Ziel soll\u00a0realistisch<\/strong>\u00a0sein. Sowohl zu leichte als auch zu schwere Ziele k\u00f6nnten Sie demotivieren.<\/li>\n<\/ul>\nWahrscheinlich werden Sie in n\u00e4chster Zukunft keinen Halbmarathon laufen, wenn Sie schon seit zwei Jahren aufgrund Ihrer Beschwerden nicht mehr in Ihre Joggingschuhe gestiegen sind (5).<\/figcaption><\/figure>\n
Zum Beispiel: Sie haben seit vielen Jahren R\u00fcckenschmerzen, mal mehr, mal weniger, sind diagnostisch von \u00e4rztlicher Seite umfassend untersucht und abgekl\u00e4rt und haben schon zahlreiche unterschiedliche Therapieverfahren ausprobiert?<\/em> \nDann fragen Sie sich selber: Halten Sie es f\u00fcr realistisch, dass Sie mit sechs bis zehn Einheiten Physiotherapie schmerzfrei werden?<\/em> \nWahrscheinlich nicht. Ihr Therapeut als Bewegungsexperte kann Ihnen aber dabei helfen, realistische Ziele zu formulieren und diese im Verlauf anzupassen, wenn sich Ihre Zielvorstellungen \u00e4ndern.<\/em><\/p>\n
\n
Ihr Ziel soll terminiert<\/strong> sein, das hei\u00dft, es ist klar, in welchem Zeitraum Sie Ihr Ziel erreichen m\u00f6chten. Nur so ist der Therapieerfolg messbar.<\/li>\n<\/ul>\n
SMARTe Ziele setzen<\/strong><\/h5>\n
Nutzen Sie diese sehr einfache Formel und pr\u00fcfen Sie damit, ob Ihre Ziele die genannten Kriterien erf\u00fcllen. Sind diese erf\u00fcllt \u2013 prima! Dann haben Sie eine gute Basis f\u00fcr eine Verbesserung Ihrer Gesundheit geschaffen.<\/p>\n
Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg. \n<\/em><\/strong>(Lao-tse, Chinesischer Philosoph<\/cite>)<\/span><\/p>\n
Erfolgskontrolle<\/strong><\/h5>\n
Ihr Physiotherapeut wird Ihnen in vielen F\u00e4llen Fragebogen aush\u00e4ndigen, um Ihre individuelle Situation umfassend zu verstehen und Ihnen bestm\u00f6glich helfen zu k\u00f6nnen. Diese Fragebogen werden auch gerne als Erfolgskontrolle verwendet, das hei\u00dft, Sie f\u00fcllen zu Therapiebeginn und zum Ende der Behandlungsserie denselben Fragebogen aus, um den Verlauf der Beschwerden sichtbar zu machen. Seien Sie offen daf\u00fcr, es spricht f\u00fcr ein wissenschaftlich fundiertes, verantwortungsbewusstes Handeln Ihres Therapeuten, auch wenn es mit etwas Aufwand f\u00fcr Sie verbunden ist.<\/p>\n
Gesundheit als komplexes Geschehen<\/strong><\/h5>\n
Vergessen Sie auch nicht, dass in der Therapie von Beschwerden, Einschr\u00e4nkungen und Schmerzen viele verschiedene Aspekte eine Rolle spielen: Neben k\u00f6rperlicher Bewegung ist auch h\u00e4ufig eine individuelle Schmerzmedikation mit verschiedenen Wirkstoffgruppen (4), Faktoren wie Schlaf, Ern\u00e4hrung, Entspannung, Auftanken durch Hobbies etc. essentiell wichtig.<\/p>\n
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Die Verantwortung f\u00fcr sich und Ihre Gesundheit haben Sie jedoch allein. Therapeuten k\u00f6nnen Sie auf dem Weg zu einem besseren Leben begleiten, gehen aber m\u00fcssen Sie Ihren Weg selbst, vielleicht mit \u201eein bisschen Schmerz\u201c, aber immer auch mit dem guten Gef\u00fchl, pers\u00f6nlich f\u00fcr Ihre Gesundheit aktiv geworden zu sein.<\/p>\n
Warten Sie nicht auf Ver\u00e4nderungen, sondern werden Sie selbst aktiv. <\/strong><\/p>\n\n